Lexikon: Schwäbisch / Hochdeutsch

Wendrsonn sind die Komponisten der offiziellen Hymne aller 7 Baden-Württembergischen Naturparks

zum Naturparksong: da ben i dâhoim

Dâhoim ist der wunderschöne Schwäbisch-Fränkische Wald, zwischen Backnang, Heilbronn, Schwäbisch Hall und Schwäbisch Gmünd.

Ganz in der Nähe, in der Geißenklösterle-Höhle auf der Schwäbischen Alb, fanden Archäologen eine etwa 35 000 Jahre alte Flöte aus Mammutelfenbein. Sie gehört damit ebenso wie die Vogelknochen-Flöten aus derselben Höhle zu den ältesten Musikinstrumenten der Welt.

Weltbekannt sind auch der Löwenmensch und das kleine Pferdchen aus Mammutelfenbein, beide gefunden in der Vogelherdhöhle.

Asterix' Verwandtschaft hat jede Menge Vierecksschanzen, Hügelgräber und Fluchtburgen hinterlassen. Bereits ab dem fünften Jahrhundert v. Chr. besiedelten Kelten die Gegend.

In den abgeschiedenen Tälern des Schwäbisch-Fränkischen Waldes (dâhoim) überdauerten sogar keltische Flur- und Flußnamen:

Rot, bedeutete im keltischen, rasch dahinfließend. Das idyllische Flüsschen Rot und die nach ihm benannten Orte Wüstenrot, Finsterrot, Oberrot gehen auf diesen ziemlich alten Wortstamm zurück.

Keltischer Löwe aus dem Fürstengrab von Hochdorf (Kreis Ludwigsburg)

Nach und nach zogen dann immer mehr germanische Stämme ins Ländle. Die meisten marschierten weiter. Es herrschte ein reges Kommen und Gehen. Nur ein Volk fand es so richtig schnuckelig und blieb. Die Sueben.

Diese Urschwaben, waschechte Elbgermanen, waren eines der größten germanischen Völker und auch ein recht streitsüchtiges Völkchen und es hätte nicht viel gefehlt, und der Suebenhäuptling Ariovist hätte den großen Julius Cäsar wieder aus Gallien gejagt.

(Heidanei, dann dät mer sogar in Frankreich schwäbisch schwätza)

Nix war's. Die Römer gewannen und bauten gleich ziemlich viele Kastelle bei uns (Welzheim, Murrhardt, Mainhardt). Nicht genug, sie zogen auch gleich ne Grenzmauer hoch, mit Wachtürmen und Graben.

Ein Teil der Sueben zog mit den Vandalen und Goten nach Spanien und gründete in Nordportugal und Galizien ein eigenes Königsreich. Ein anderer Teil blieb einfach daheim und vermischte sich mit Kelten und Römern.

Während der Regentschaft von Kaiser Augustus taucht dann zum ersten Mal der Name Alamannen (ein Sammelbegriff, oder Kampfname für mehrere germanische-suebische Stämme) auf.  

Und die Alamannen schrieben Geschichte. Ab dem Jahr 230 verdrängten die sie Römer aus Südwestdeutschland, die sich hinter die Donau zurück zogen.

Noch heute wird weltweit der Begriff Alemania mit Deutschland gleichgesetzt. Man wagt es kaum zu sagen, aber Schweizer, Badener, Bayern, Thüringer, Liechtensteiner, Vorarlberger, Tiroler, Elsäßer und Schwaben, die heutzutage ihre Animositäten pflegen, stammen von ein und demselben Volk ab, den Alamannen, respektive den Sueben.

Als nächstes erschienen die Franken auf der Bildflächen und mit denen gab es ziemlich wüste Kämpfe um die Vorherrschaft im Südwesten. Der Frankenkönig Chlodwig besiegte die alamannischen Truppen und daraufhin wanderten fränkische Familien in das bislang alamannische Siedlungsgebiet ein. 

Brutal wurde es im Jahre 746. Der fränkische Herrscher Karlmann lud alle alamannischen Herzöge und Adligen zu einer Versammlung nach Cannstatt ein. Der kaltblütige Karlmann machte kurzen Prozess und ließ alle festnehmen und hinrichten. Bei dem Massaker von Cannstatt wurde auf einen Schlag nahezu die gesamte Führungsschicht der Alamannen ausgelöscht und die Eigenständigkeit des alamannischen Herzogtums beendet.

Alamannische Fundstücke

Die urprünglichen Siedlungsgebiete der Alamannen können heute noch ziemlich gut anhand von Ortsnamen abgelesen werden:

Die Alamannen gaben ihren Siedlungen gerne den Namen eines wichtigen Sippenmitglieds. Sie sagten dann: "Wir wohnen bei den Leuten des..." Daraus entstanden die "ingen-Orte": Esslingen, Sindelfingen, Reutlingen, Waiblingen

Typisch alamannisch ist auch die Endung "wangen": Ellwangen, Feuchtwangen.

Ein gutes Beispiel für das nicht immer leichte Zusammenleben von Franken und Alamannen sind die zusammengebauten Ortschaften Erlbenbach und Binswangen vor den Toren Heilbronns. Die fränkischen Einwanderer jagten die Alamannen aus ihren Dorf, die daraufhin nebenan Binswangen gründeten. Die Franken nannten ihre neue Siedlung Erlenbach. Fast 1500 Jahre später ist dieser Tatbestand immer noch in den Köpfen der Dorfbewohner. Binswangener und Erlenbacher sind sich heute noch nicht so arg grün. Auf jeden Fall hat jedes der beiden Käffer seine eigene Kirche (die beide absolut gleich aussehen), seinen eigenen Fußballverein und sogar seinen eigenen Musikverein!

Die kriegerischen Franken brachten von ihren Feldzügen nach Osten ziemlich viele Sklaven (Sachsen und Thüringer) mit, die sie in eigenen Dörfern ansiedelten.

Großsachsenheim, Untertürkheim (Türk kommt von Thüringer), Thüngental, Sachsenweiler waren ursprünglich solche "Sklavenansiedlungen".

Heutzutage verläuft mitten durch den Schwäbisch-Fränkischen Wald die Sprachgrenze zwischen Schwaben/Alamannen und Franken. In einer Linie Ludwigsburg-Backnang-Murrhardt-Aalen wird noch reines Niederschwäbisch gesprochen, Richtung Heilbronn Südrheinfränkisch und in Hohenlohe Süd- und Ostfränkisch. Im direkten Grenzgebiet (als bei uns) wird allerdings der eigentliche Mischdialekt immer mehr vom Schwäbischen verdrängt, obwohl in den Seitentälern wie z.B. im vorderen, eigentlichen schwäbischen Lautertal vor zwei Generationen noch Fränkisch gesprochen wurde.

Schriftdeutsch
Schwäbisch
Fränkisch
Vogel
Veegele (Vogl)
Voochel
Gabel
Gabl
Gawwel
Wagen
Waagâ
Woocha
Mädchen
Mädle
Maadlich
üben
ibâ
iwwa
nein
noi
naa

 

Nichtschwimmer Barbarossa als Kreuzfahrer

Doch zurück zur Geschichte.

Irgendwann im 9. Jahrhundert trat an die Stelle der Gebietsbezeichnung "Alamannien" der Name "Schwaben". Vermutlich wollte der verbliebene alamannische Adel unter der fränkischen Fuchtel sich eine neue eigene Identität schaffen.

Wieder um die Ecke, im oberen Remstal, hausten die Staufer auf ihren zugigen Burgen. Sie waren die ersten Schwaben die es in der Politik zu was brachten. Kaiser des heiligen römischen Reiches deutscher Nationen!

Aber was ist jetzt eigentlich mit Württemberg?

1092 wird zum ersten Mal ein Konrad von Wirtemberg urkundlich erwähnt. Er nennt sich nach seiner Burg auf dem Rotenberg bei Cannstatt.

War aber ein recht armseliger Haufen diese Wirtemberger. Das Ländle war recht klein und auch ziemlich arm. Da half nur eines: heiraten!!!!!

Ein Urkunde von 1297 gibt einen Hinweis auf die Verflechtung zwischen den Häusern Württemberg und Baden:

Graf Eberhard von Wirtemberg und seine Gemahlin Irmengard, Tochter des Markgrafen Rudolf von Baden, erklären, dass durch die Abtretung der Burg Reichenberg (bei Oppenweiler) ihre Ansprüche an das Haus Baden befriedigt sind. 

Backnang z.B. war badisch und ist Grablege einiger badischer Fürsten. Selbst Stuttgart gehörte zu dieser Zeit den Badenern.

Nach und nach wurde fast die ganze Gegend württembergisch, obwohl die deutsche Kleinstaaterei auch in unserer Gegend ihre Auswirkungen hatte.

 

Burg Reichenberg

Backnang war jetzt württembergisch, Sulzbach gehörte zu Löwenstein und nur wenige Kilometer nordwestlich war man im Gebiet der Grafen von Hohenlohe, ganz zu schweigen von den Besitzungen der Kirche und des Deutschen Ritterordens.

Dann die freien Reichsstätte, wie z.B. Schwäbisch Hall, die immer ihr eigenes Süppchen kochten. Eigentlich war ja Hall eine rein fränkische Stadt, die sich aber dem schwäbischen Bund zugehörig fühlte und deshalb den Namen "Schwäbisch" adoptierte.

Der Schwäbisch-Fränkische Wald war immer eine bettelarme Gegend. Landwirtschaft war kaum möglich in den zerklüfteten Tälern und den dunklen, sumpfigen, undurchdringlichen Waldgebieten.

Florian Geyer (1490 - 1525)

Die Not der Bauern war groß, logisch, dass sich viele von ihnen der Verbindung des Armen Konrad im Remstal anschlossen oder später, im eigentlichen Bauernkrieg, mit des Geyers schwarzen Haufen, des Florian Geyers zogen.

Ein größerer Bauertrupp sammelte sich im Kochertal (bei Gaildorf), dann zogen sie gemeinsam nach Weinsberg und ließen dort ein paar Ritter über die Klinge springen. Damals ein Skandal. Wie können es sich leibeigene Bauern erdreisten, hochwohlgeborene Herren zu meucheln!

Der schwäbische Bund und die Reichstätdte schickten den Feldherren Truchsess von Waldburg-Zeil, der als "Bauernjörg" gefürchtet war. Unter seinem Befehl rückten die Landsknechtsheere aus und gegen diese Berufssoldaten hatten die Bauernhaufen nicht den Hauch einer Chance.

Hundertausend bezahlten den Freiheitstraum mit ihrem Leben.

In der Folge zogen mehr und mehr dunkle Wolken zogen über das Ländle: Pest und der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) wüteten im ganzen Land.

Allein das Herzogtum Württemberg hatte durch Hunger und Seuchen, Mord und Totschlag fast zwei Drittel seiner Bevölkerung verloren. Im Jahre 1618 zählte es 350 000 Einwohner, im Jahre 1648 gerade noch 120 000.

Nur ein Berufszweig schien Erfolg zu haben: Die Räuberei.

Es gab gleich mehrere Banden, von denen die Spiegelberger Bande und die Räuber vom Mainhardter Wald es am wildesten trieben.

Schiller war von dem räuberischen Treiben so beeindruckt, dass er den Räuberhauptmann in seinem Epos "Die Räuber" kurzerhand "Spiegelberg" nannte.

wenn's dunkel wird, na holt er de, dr Nachtkrab

Die Mainhardter Räuberbande raubte und mordete in den Jahren 1760 - 1772. Sie bestand aus bis zu 58 Männern (deren Nachfahren immer noch in der Gegend leben). Zumeist waren es arme Teufel wie Tagelöhner und Salzträger. Mir einer romantischen Räuberballade hatte das Ganze allerdings nix zu tun. Die Burschen waren recht brutal und killten selbst arme Handwerksgesellen. Ihr Ende war dann auch ziemlich unromantisch. Gefangen, gefoltert und hingerichtet. Nur der Räuberhauptmann selbst starb friedlich im Bett! Er war Wirt des Gasthauses "Zur Linde" (das Gasthaus gibt es immer noch in Mainhardt, direkt an der B 14) und hat die Raubzüge ausgeheckt und sich trotzdem nie die Hände schmutzig gemacht. Seine Kumpanen haben offensichtlich "dicht" gehalten, denn er wurde nie angeklagt.

Bettelarm war die Landbevölkerung. "Viel Steine gab's und wenig Brot" lautete die erste Strophe des schwäbischen Vaterunsers. Die andauernden Einfälle brandschatzender französischer Truppen taten noch ein übriges.

Französische Soldaten "plagen" einen Bauern

1806 wurde Württemberg durch Napoleons Gnaden zum Königreich - und kämpft an der Seite des kleinen Korsen gegen Preußen und Österreich. So richtig brutal wird der Russlandfeldzug von 1812. Mehr als 15.000 württembergische Soldaten marschierten gen Osten, von denen nur 300 Mann wieder heim kamen. Bezeichnend, dass die Überlebenden zum Großteil Offiziere waren. Die einfachen Soldaten krepierten jämmerlich an Krankheiten, verhungerten oder erfroren in den endlosen Weiten des riesigen Landes.

1813 hängt König Friedrich sein Fähnlein wieder in den Wind und wechselt die Seiten. Würrtembergische Regimenter kämpften nun gemeinsam mit den Alliierten gegen Napoleon.

Trotzdem blieb Württemberg ein recht kleines und vor allem armes Königreich. Zigtausende mussten das Land verlassen, wollten sie nicht verhungern. Ganze Dorfgemeinschaften siedelten nach Besarabien, Russland, Rumänien und Amiland um.

Ein altes Volkslied erzählt von diesen harten Zeiten:

In Mutters Stüble, da goht dr hm hm hm,
in Mutters Stüble, da goht a Wend

Muss schier verfriera, vor lauter hm hm hm,
muss schier verfriera, vor lauter Wend.

I han koi Hemmadle, ond du koi hm hm hm,
I han koi Hemmadle, ond du koi Strümpf

Du nimsch dr Bettelsack, ond i der hm hm hm,
du nimsch dr Bettelsack, ond I dr Korb.

I hau koi Speck em Sack, ond du koi hm hm hm,
I hau koi Speck em Sack, ond du koi Brot.

Muss schier verfriera, vor lauter hm hm hm,
muss schier verfriera, vor lauter Wend.

Selbstverständlich hat Wendrsonn dieses alte Lied auch im Programm - und nicht nur das...